Ort, KantonBeatenberg, BE
Koord. Talstation625.002/171.090 ; 1127 m.ü.M
Koord. Zwischenst.625.363/172.198 ; 1580 m.ü.M
Koord. Bergstation625.733/173.321 ; 1935 m.ü.M
EinstufungJüngere Anlagen
Besuch18.12.2010 tb
Inventar24.11.2010 zk

BetreiberinNiederhornbahn AG
HerstellerStreiff
wwwhttp://www.niederhorn.ch

Baujahr1996
Erstinbetriebsetzung1997
Umbauten
Kabine

Situation

Beschreibung der Anlage

Die hoch über dem Thunersee gelegene und sich aus mehreren Dörfern zusammensetzende Gemeinde Beatenberg wandelte sich ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, insbesondere nach der Eröffnung der Strasse nach Interlaken im Jahr 1865 und infolge der 1889 in Betrieb genommen Standseilbahn (61.002, 2005 Ersatz von Garaventa), von einem bäuerlichen Bergdorf zu einem vielbesuchten Luftkurort. Die Weltkriege und die dazwischen liegenden Krisenjahre setzten dem blühenden Tourismus ein jähes Ende. Die Errichtung 1946 eines der neuesten Seilbahnfabrikate der Zeit, eines von Beatenberg auf das 1'950 m hohe Niederhorn führenden kuppelbaren, ganzjährlich betriebenen Zweier-Sessellifts aus dem Hause Von Roll, manifestierte den zukunftsorientierten Wiederaufbau des Sektors Fremdenverkehr unmittelbar nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs.
Nach fünfzig Betriebsjahren wurde die Von Roll-Zweisektionenbahn durch eine zu diesem Zeitpunkt in der Schweiz neuartige Seilbahn ersetzt: Die 2'493 m lange Streiff'sche Seilbahn ist eine Gruppenumlaufbahn mit zwei Tragseilen und einem Zugseil. Die Anlage ist mit vier Wagengruppen mit je drei 17er-Kabinen ausgestattet!. In der Streckenmitte gibt es die Zwischenstation Vorsass. Alle Tragseile sind fest verankert. Der Antrieb befindet sich im Tal, die Zugseilspannvorrichtung (Gewichtsabspannung) am Berg. Die Fahrzeuge sind fix an das Zugseil geklemmt und durchfahren in den Stationen die Umlenkscheiben. Sehr speziell sind die beim Einfahrsattel bei der Talstation sowie beim Stützensattel der Zwischenstation angebrachten Niederhalteschienen, die dafür sorgen, dass die Laufwerksrollen in diesen Streckenabschnitten rückwärts laufen und dadurch die Kabinen herunter gedrückt werden. Bei der Bergstation überfahren die Fahrzeuge zwischen der letzten Stütze und dem Bahnsteig mit der Umlenkscheibe eine kurze Strecke ohne Unterstützung durch Tragseile oder Schienen. Das Zugseil ist mit 49 mm dicker als die beiden Tragseile (45 mm). Dies ist bedingt durch die extrem grosse Förderseilspannung, die wiederum nötig wurde, weil das Antriebsrad in der Talstation liegt und nur eine 180° Umschlingung hat.
Die von Streiff konzipierte Lösung der Dreiseil-Gruppenumlaufbahn hat sich als sehr vorteilhafte und zugleich windstabile Konstruktion erwiesen. Der Planer Math. Streiff verstarb während der Bauarbeiten, so dass die Anlage durch Inauen-Schätti fertig gestellt werden musste.


Gesamtwürdigung

Die 1997 als Ersatzanlage erstellte und auf das Niederhorn führende Seilbahn ist die erste und bisher einzige Dreiseil-Gruppenumlaufbahn der Schweiz. Sie wurde vom innovativen Schwandener Seilbahnhersteller Math. Streiff, der 1990 bereits in Braunwald zwei (intermittierende) Gruppenumlaufbahnen mit einem Förderseil realisiert hatte, als stabilere und leistungsfähigere Weiterentwicklung geplant und konstruiert.


Anhang 1: Technische Daten

Strecke

Fotos
BetriebszweckTouristisch
Streckenlänge (schief)2480 m
Höhendifferenz808 m
Längstes Seilfeld (schief)700 m
Grösster Bodenabstand45 m
Neigung Maximal; Mittelwert780 o/oo; 350 o/oo
Spurweite (auf Stützen); Bergseilseite8000 mm; links
Anzahl Stationen3
Anzahl StützenFotos7
Stützenbautechnik; StützenformStahl Fachwerk; T-Stütze
Stützen Hersteller1996; Streiff

Hochbauten

Talstation Name; KonstruktionFotos1996; Beatenberg; Massiv (Beton/Mauerwerk)
ArchitektBalzari + Schudel
Zwischenstation Name; KonstruktionFotos1996; Vorsass; Ohne Gebäude
Bergstation Name; KonstruktionFotos1996; Niederhorn; Ohne Gebäude
ArchitektBalzari + Schudel

Seile

TragseiltypVollverschlossen
Tragseil Anzahl pro Spur; Durchmesser2; 44 mm
Zugseil Anzahl; Durchmesser1; 49 mm

Antrieb

Fotos
Antrieb Ortin Talstation
Motor HerstellerFotos1996; ABB
Antriebstyp; MotorleistungGleichstrom mit Thyristor; 725 kW
Getriebe HerstellerFotos1996; Eikoff
Notantrieb für RäumungFotosHydraulisch mit Verbrennungsmotor

Bremsen

BetriebsbremseFotos1996; Scheibenbremsen
SicherheitsbremseFotos1996; Scheibenbremsen
FangbremsenKeine Fangbremse

Mechanische Einrichtungen

Tragseil-SpannsystemFotosFeste Abspannung
Zugseil-SpannsystemFotosGewicht Bergstation
StationsumlauffördererKeine (Festklemmen)
Beschleuniger/VerzögererKeine (Festklemmen)

Elektrotechnische Einrichtungen

Steuerung HerstellerFotos1996; Frey AG
Kopierwerk1996; Digital
Fernüberwachungsanlage Hersteller1996; Frey AG
FahrregimeGesteuert im Kommandoraum
Kommunikations SystemFotosVideo, Funk
PassagierinformationEinsprechanlage

Fahrbetriebsmittel

Fotos
Anzahl12
Plätze / Fahrzeug17
Nutzlast; Fahrbetriebsmittel Leergewicht1360 kg; 1747 kg
Kabinen HerstellerFotos1996; Gangloff
Kabinen Länge; Breite; Höhe2000 mm; 2000 mm; 2200 mm
Automatische TürenFotosja
Gehänge Hersteller; GehängetypFotos1996; Streiff; Rohr
Klemmvorrichtung Hersteller; TypFotos1996; von Roll; Festklemme mit Federspeicher
Laufwerk HerstellerFotos1996; von Roll
ZugseilbefestigungSeilklemmen

Förderleistung

Fahrgeschwindigkeit max.; Fahrzeit7 m/s; 9.2 Min.
Personenleistung; Jahresbeförderung Total600 Personen/h; 221000 Pers./Jahr

Anhang 2: Apparat

Literatur
-Gric, Roman: Thunersee - Beatenberg - Niederhorn, in: Internationale Seilbahnrundschau ISR, 4/2008, p. 19-20
e-docs
-http://www.niederhorn.ch/winter/ueber-uns/niederhornbahn.html  
-http://www.beatenbergbilder.ch/home/bergbahnen_niederhorn.htm  
-http://www.jacomet.ch/themen/skilift/album/thumbnails.php?album=49&page=1  

Anhang 3: Jahrzahlen der Komponenten

Jahre Graphik

Anhang 4: Relationen

HerstellerStreiffMath. Streiff AG
Vordere Sektion61.002StBBeatenbucht (Merligen) - Beatenberg, Beatenberg
Ähnliche Anlage71.030GP-45Miglieglia - Monte Lema, Miglieglia
Siehe auch75.002GUB-15Niederschlacht - Hüttenberg, Braunwald
Siehe auch75.003GUB-15Hüttenberg - Grotzenbüel, Braunwald

Anhang 5: Bildauswahl

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